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Bronte-Pistazie: Ernte, Sagra und die besten Adressen am Ätna

·6 min·Giulia

Wenn du von Catania aus auf die Westflanke des Ätna zufährst, weicht das Grün dunklem, scharfkantigem Lavagestein. Genau hier, auf vulkanischen Böden zwischen 400 und 900 Metern Höhe, wachsen die Pistazienbäume. Als gebürtige Sizilianerin, die mit der Nonna am Herd stand und heute zwischen Catania und Bologna lebt, schaue ich mit dem Blick einer Köchin auf diese Hänge: Man achtet weniger auf Postkartenmotive als auf die handwerklichen Bedingungen, die einer Zutat ihren Charakter geben.

Die Anbauflächen liegen in den Gemeinden Bronte, Adrano und Biancavilla an den Hängen des Vulkans. Die Landschaft ist geprägt von der Sciara, den Schichten aus erstarrtem Lavagestein. Zwischen den schwarzen Blöcken wurzeln die Bäume tief im mineralreichen Untergrund.

Sizilianische Bauern bei der Pistazienernte in Bronte, mit dem Ätna im Hintergrund.
Erntezeit auf der Sciara: Die Pistazien fallen auf Tücher, die zwischen den Lavafelsen ausgelegt sind.

Die Ernte auf der Sciara
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Die Ernte findet von Hand alle zwei Jahre in den ungeraden Kalenderjahren statt, jeweils zwischen Ende August und Anfang September. In den Jahren dazwischen tragen die Bäume keine Ernte, damit die Pflanzen neue Triebe bilden können.

Für die Ernte breitet man große Tücher (teli) direkt zwischen den Felsen der Sciara aus. Die Pflücker arbeiten manuell und lassen die reifen Früchte auf die ausgelegten Bahnen fallen. An einem Morgen während der Erntezeit auf der Sciara stand ich mit völlig falschen Schuhen zwischen den Steinen. Die Hitze stieg spürbar aus der dunklen Lava auf, und auf dem unebenen Gestein rutschte ich bei fast jedem Schritt ab. Ein Erntehelfer bemerkte mein Missgeschick und reichte mir einen Pistazienkern, den er gerade von seiner äußeren Schale befreit hatte – ein pistacchio appena smallato. Der frische Kern schmeckte intensiv nussig. Wenn man die Frucht direkt auf dem Feld probiert, begreift man den Wert dieser Zutat sofort.

Das grüne Gold und sein Schutz
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Die offizielle Bezeichnung lautet Pistacchio Verde di Bronte DOP. Die Europäische Union hat diese geschützte Ursprungsbezeichnung im Jahr 2009 anerkannt; zudem ist die Frucht ein Presidio Slow Food. Der Anbau beruht auf einer botanischen Veredelung: Die Pistazienbäume werden auf den Terpentin-Strauch (Pistacia terebinthus) gepfropft. Im sizilianischen Dialekt heißt die Frucht frastuca und die Pflanze frastucara; in Bronte nennt man die Pflanze auch scornabeccu. Diese widerstandsfähige Unterlage sichert den Gehölzen den Halt auf dem vulkanischen Boden.

Rund 60 Prozent der gesamten Ernte gehen in den Export. Diese Nachfrage bringt jedoch ein großes Problem mit sich: Das Erzeugnis gehört zu den am meisten gefälschten Lebensmitteln in ganz Italien. Oft wird Ware aus anderen Ländern beigemischt oder unter falschem Namen angeboten. Ein sogenannter „pistacchio nero“ existiert in Wahrheit nicht; dabei handelt es sich um eine reine Erfindung.

Tip

Sei vorsichtig bei Pistaziencreme und Gelato von leuchtend grüner Farbe, wenn der Hinweis auf das DOP-Siegel und die genaue Prozentangabe des Pistazienanteils auf dem Etikett fehlen. Selbst in Geschäften in Bronte werden Produkte verkauft, deren Pistazien anderer Herkunft sind. Achte beim Einkauf konsequent auf die offizielle Bezeichnung Pistacchio Verde di Bronte DOP und den ausgewiesenen Prozentsatz.

Pasticcerien und Frühstück im historischen Zentrum
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Der Tag in Bronte beginnt früh im historischen Zentrum. Für ein traditionelles Frühstück steuert man die Pasticceria I Maestri del Pistacchio am Viale Regina Margherita 46 an, die bereits um 6 Uhr öffnet. Neben süßen Dolci al pistacchio gibt es hier Deftiges aus der Rosticceria: im Ofen gebackene Calzoni al forno und Arancini al pistacchio, die bei Bedarf frisch zubereitet werden, falls sie vergriffen sind. Dazu bestellt man eine Granita con panna oder einen Caffè con panna e pistacchio. Meine Nonna sagte immer, dass eine gute Pasticceria ihr Handwerk niemals hinter künstlichen Aromen versteckt, und das gilt hier ausnahmslos.

Ein weiterer Treffpunkt im Ortskern ist das Bar Conti Gallenti an der Via Umberto 275 mit Tischen nahe der Straße (mittwochs geschlossen). An den übrigen Tagen kehrt man für eine klassische Granita al pistacchio ein oder bestellt eine Torta al pistacchio con gelato sowie gemischte Pasticceria mista.

Zu Tisch: Mittag- und Abendessen
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Auf den Speisekarten der örtlichen Lokale zeigt sich die Pistazie vielseitig. Im Mittelpunkt herzhafter Gerichte steht das Pesto di pistacchio (pesto alla brontese). Man schmeckt sofort, ob dafür einwandfreie Kerne verarbeitet wurden, denn die Konsistenz und das feine Aroma tragen eine Sauce ganz ohne schwere Zusätze.

Mitten im Ort am Corso Umberto 226 liegt das Restaurant und die Pizzeria Pepe Rosa. Man sitzt in einem Innenhof unter einem großen Walnussbaum. Zu den Spezialitäten zählen Bruschette mit Paté di pistacchio und Ravioli mit Burrata und Pistazien; auch Pizza steht auf der Speisekarte. Montags ist Ruhetag; für ein Essen zahlt man etwa 20 bis 30 Euro pro Person.

Eine modernere Küche bietet die Protosteria in der Via Prof. Placido De Luca 22. Die Osteria führt Spezialitäten von Land und Meer mit Gerichten wie Quadrotti al pistacchio, einem Antipasto di terra sowie Fischmenüs. Montags ist Ruhetag, sonntags öffnet die Küche ausschließlich zum Mittagessen. Preislich liegt ein Besuch ebenfalls bei 20 bis 30 Euro. Eine neuere Kritik weist auf einen schwankenden Service hin, weshalb man etwas Geduld mitbringen sollte.

Außerhalb des Ortes an der SS284 in der Contrada Difesa (km 10,7) befindet sich das Restaurant La Fucina di Vulcano, das auch Gästezimmer anbietet. Von dort blickt man direkt auf den Ätna, serviert wird traditionelle Küche der Region. Da im Haus regelmäßig Hochzeiten und private Feste ausgerichtet werden, sollte man für das Wochenende vorab reservieren.

Das Pistazienfest und das Castello di Nelson
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Einmal im Jahr füllt sich der Ortskern zur Sagra del Pistacchio, die am letzten Sonntag im September und am ersten Sonntag im Oktober im historischen Zentrum von Bronte veranstaltet wird. An den Ständen probiert man die typischen Spezialitäten: Pesto, crema spalmabile, Gelato, Granita, Arancini und Dolci. Die offiziellen Termine und Daten entnimmt man der Website der Gemeinde Bronte.

Rund 15 Kilometer vom Ort entfernt, in Richtung Maniace, liegt das Castello di Nelson, das aus der ehemaligen Abbazia di Santa Maria di Maniace hervorgegangen ist. Im Jahr 1799 schenkten die Bourbonen dieses Land mitsamt der Abtei dem britischen Admiral Horatio Nelson und verliehen ihm zugleich den Titel des Duca di Bronte.

Anreise nach Bronte
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Von Catania aus erreichst du Bronte mit dem Auto über die SS284 nach etwa 47 Kilometern in knapp einer Stunde. Der Ort liegt am nordwestlichen Hang des Vulkans in der Nähe des Parco dei Nebrodi.

Wer ohne eigenes Fahrzeug reist, wählt die historische Bahnlinie Ferrovia Circumetnea. Sie verbindet Catania mit Randazzo und führt direkt über den Bahnhof von Bronte. Die Züge fahren langsam, bieten aber eine panoramareiche Aussicht entlang der Hänge aus Vulkangestein.

Wenn du die Gegend zu Fuß weiter erkunden möchtest, findest du nützliche Hinweise für das Trekking auf dem Ätna. Für weitere kulinarische Entdeckungen auf der Insel lohnt sich zudem ein Blick in den Guide über das Streetfood von Palermo.