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Das Rückgrat Italiens bezwingen: Der Guide zu den härtesten Sektoren des Appenninica MTB Stage Race

·5 min·Martina

Einführung
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Bist du bereit, dich mit dem Rückgrat Italiens anzulegen? Ich warne dich vorab: Das hier ist absolut kein Sonntagsausflug. Das Appenninica MTB Stage Race ist eines der härtesten, technisch anspruchsvollsten und mental zermürbendsten Etappenrennen in ganz Europa, das vollständig entlang des Kamms des toskanisch-emilianischen Apennins in der Emilia-Romagna verläuft.

Als ich zum ersten Mal an der Startlinie stand, hatte ich die Strecke völlig unterschätzt. “Das sind doch nicht die Alpen”, dachte ich mir leichtsinnig. Doch schon der erste Anstieg zum Corno alle Scale – 40 Minuten lang das Bike auf der Schulter über ein senkrechtes Geröllfeld schleppen – machte mir unmissverständlich klar, dass hier ernst gemacht wird. Das Rennen schlängelt sich durch abgelegene, spektakuläre Bergdörfer wie Porretta Terme, Fanano und Castelnovo ne’ Monti und liefert eine gnadenlose Mischung aus rauer Schönheit und extremer körperlicher Qual.

Biker bei einer technischen Abfahrt im emilianischen Apennin
Die exponierten Kämme des emilianischen Apennins bieten unendliche Ausblicke, verzeihen aber keinen einzigen Fahrfehler

Logistik und die Race Villages
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Die Anreise zu den “Race Villages” ist schon ein Abenteuer für sich. Die winzigen Dörfer des Hochapennins, die die Etappen beherbergen, liegen versteckt in jahrhundertealten Buchenwäldern. Wer hier mit sperrigem Bike-Equipment anreist, muss die Logistik auf den Millimeter genau planen. Die Ausgabe 2025 steigt vom 23. bis 27. Juni, mit einem völlig neuen, extrem komprimierten Format aus fünf brutalen Etappen.

  • Porretta Terme: Historischer Kurort und ein absoluter Dreh- und Angelpunkt des Rennens. Man kommt leicht mit dem Zug aus Bologna hin. Einen Tag früher anzureisen und sich ein Bad in den heißen Schwefelquellen zu gönnen, ist die beste Vorbereitung, um die Muskeln auf den thermischen Schock der kommenden Tage einzustellen.
  • Fanano: Eine kleine Oase der Ruhe im modenesischen Apennin. Die absolute Stille des Dorfes, die im Morgengrauen nur vom Klappern der Werkzeuge der Mechaniker im Race Village durchbrochen wird, versetzt dich sofort in den ultimativen Rennmodus.
  • Castelnovo ne’ Monti: Direkt am Fuße der imposanten Pietra di Bismantova gelegen. Dieser gigantische Kalksteinmonolith wacht über die letzten Etappen. Allein der Blick vom Tal hinauf zu diesem perfekten Felsblock reicht aus, um dich winzig und völlig erschöpft fühlen zu lassen.

Streckenprofil und das Trauma des Portage
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Ich will dir keine Angst machen, ich will nur, dass du vorbereitet ankommst. Die Strecke ist technisch locker auf CAI-Stufe 4 und 5 einzustufen, wobei die täglichen Höhenmeter regelmäßig die 2.500-Meter-Marke auf einer Distanz von gerade mal 50 bis 70 Kilometern knacken.

Die wahre Handschrift der Appenninica ist jedoch das Portage (das Tragen des Bikes auf dem Rücken). Der Apennin ist absurd steil, die alten Maultierpfade sind von heftigen Regenfällen weggespült und oft schlichtweg unfahrbar. Ich erinnere mich noch genau an den stechenden Geruch zertrampelter wilder Heidelbeeren, der sich mit dem beißenden Schweiß in meinen Augen vermischte, während ich mein Bike den Monte Cimone hinaufwuchtete. Hier gibt es keine Ablenkungen: nur das raue Keuchen deines eigenen Atems, der klebrige Lehm der Emilia, der dir die Stollen der Reifen verstopft, und dieser unaufhörliche, peitschende Wind auf dem Kamm. Zwei Räder, ein Pfad, null Ausreden.

Mountainbiker beim Portage auf einem steilen Kamm des Apennins
Die brutalen Portage-Sektoren sind das wahre Gesicht der Appenninica: Das Bike wandert auf die Schulter, wenn die Pfade zu steil zum Treten werden

Praktische (und lebensrettende) Tipps
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Bei meiner ersten Teilnahme habe ich unfassbar starke Athleten gesehen, die wegen absolut banaler, aber tödlicher Fehler aufgeben mussten. Hier sind meine eisernen Regeln:

  1. Die Mechanik ist alles: Dein Mountainbike (zwingend ein Fully aus dem Trail/All-Mountain Bereich) muss in absolut makellosem Zustand sein. Der klebrige Lehm und die aggressiven Sandsteinfelsen fressen Bremsbeläge und Ketten in beängstigendem Tempo. Nimm ausreichend Ersatzteile mit.
  2. Leichte Schutzausrüstung: Trage weiche, gut pedalierbare Knieschoner. Die technischen Downhills in den dichten Wäldern verzeihen keine Unachtsamkeit, und feuchte Baumstämme sind rutschig wie Schmierseife.
  3. Trinken, trinken, trinken: Die Höhensonne des Apennins ist im Hochsommer unerbittlich. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ein holländischer Teilnehmer nach nur 20 Kilometern auf einem exponierten Anstieg wegen Dehydrierung völlig kollabiert ist. Nimm große Trinkblasen mit, verlass dich niemals nur auf Flaschen.
  4. Respektiere den Trail: Der Apennin ist ein extrem fragiles Ökosystem. Das Abschneiden von Spitzkehren zerstört den Waldboden, und leere Gel-Verpackungen in die Landschaft zu werfen, ist eine absolute Schande. Nimm deinen Müll verdammt noch mal wieder mit ins Tal.

Wo du neue Energie tanken kannst
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Eines der besten Dinge an diesem Rennen: Wir sind in der Emilia-Romagna. Das bedeutet, dass man nach jeder Etappe isst wie ein Gott. Vergiss diese ekligen, nach Pappe schmeckenden Energieriegel. Nach einer brutalen Etappe hältst du an einer rustikalen, familiengeführten Hütte in der Nähe des Corno alle Scale und bestellst dir einen dampfenden Teller Tortelloni mit Ricotta und Spinat, die in flüssiger Butter ertrinken, dazu warme Crescentine und lokale Wurstwaren.

Teller mit Tortelloni in Butter und Salbei
Nach abertausenden Höhenmetern gibt es nichts Besseres für die Muskeln als einen authentischen Teller emilianischer Tortelloni mit Butter und Salbei

In Fanano musst du unbedingt die kleine historische Konditorei an der Piazza suchen und dir ein riesiges Stück Crostata mit hausgemachter Apennin-Heidelbeermarmelade gönnen: Exakt jene Heidelbeeren, die du sechs Stunden vorher noch fluchend zertrampelt hast, werden dir in diesem Moment wie das Süßeste auf der ganzen Welt vorkommen.

Fazit
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Das Appenninica MTB Stage Race saugt dich komplett aus, überzieht dich von Kopf bis Fuß mit Schlamm und lässt dich am vorletzten Anstieg ernsthaft an all deinen Lebensentscheidungen zweifeln. Aber in dem Moment, in dem du unter dem Zielbogen durchrollst, gibt es dir ein unbändiges, wildes Selbstbewusstsein zurück.

Dieser Berg bringt dir bei, mit der Erschöpfung zu leben und selbst im tiefsten Muskelkater noch Schönheit zu finden. Bereite dich verdammt gut vor, zieh aggressive Reifen auf und mach dich bereit zu leiden. Und wenn die Vorstellung von extremen Qualen in unberührter Natur für dich wie Musik in den Ohren klingt, bleibt dir nach dem Radfahren eigentlich nur noch, die Wanderstiefel zu schnüren. Ich empfehle dir wärmstens, meinen Guide zur ursprünglichsten Natur Italiens im Parco Nazionale del Pollino zu lesen – das ist das andere große, völlig ungefilterte Abenteuer, das unser Land zu bieten hat.