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Marcos Tipps für eine stressfreie Alpenüberquerung mit der Vigezzina-Centovalli-Bahn

·4 min·Marco

Ich bin ehrlich zu dir: Mein erster Instinkt ist es immer, die Schlüssel zu schnappen und loszufahren. In den Serpentinen Norditaliens liegt eine Freiheit, die man in einem Waggon einfach noncht replizieren kann. Aber als Berufsfahrer habe ich gelernt, dass es manchmal das “Klügste” ist, zuzugeben, dass die Aussicht besser ist, wenn jemand anderes das Steuer hält – besonders, wenn dieser “Jemand” ein Zug è, der über 83 Brücken und durch 31 Tunnel mitten durch die Wolken fährt.

Im späten 2025 ist nachhaltiges Reisen nicht nur ein Trend, sondern ein Weg, genau die Landschaften zu bewahren, die wir sehen wollen. Heute erzähle ich dir, warum die Vigezzina-Centovalli meine erste Wahl für eine umweltfreundliche Alpenüberquerung ist.

Geheimtipp vom Experten: Jetzt ist die Zeit, in der der “Foliage-Zug” (Laubfärbungs-Zug) am schönsten ist. Zwischen Mitte Oktober und Anfang November explodiert das gesamte Tal in Orange- und feurigen Rottönen, die keine Kamera wirklich einfangen kann.

Der neue weiß-blaue Stadler-Zug der Centovalli überquert eine Panorama-Brücke
Die Zukunft auf Schienen: Die neuen Stadler-Züge kombinieren aerodynamisches Design mit einem Rundumblick auf die Alpen.

Die Faszination der neuen “Stadler”-Züge und die Schmalspur
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Deine Reise beginnt in Domodossola, wo die Strecke gerade einen unglaublichen Technologiesprung gemacht hat. Wenn du Glück hast, steigst du in einen der neuen Stadler-Elektrotriebzüge ein, die zwischen 2024 und 2025 in Dienst gestellt wurden. Für einen Mann, der für die Präzision eines Getriebes lebt, ist es eine wahre Freude, diese technologischen Wunderwerke zu sehen – mit Niederflur-Einstieg und einem butterweichen Elektroantrieb.

Sobald du die Ossola-Ebene verlässt, ändert sich die Landschaft drastisch. Die Schmalspurbahn (1000 mm) klettert von 270 Metern auf den 1.300 Meter hohen Gipfel. Warum Schmalspur? Weil sie engere Kurven und eine Flexibilität ermöglicht, von der die Normalspur nur träumen kann. Es gibt hier keine Zahnradtechnik; es ist reine Reibung zwischen Eisen und Eisen. Die neuen Stadler-Motoren bewältigen Steigungen von 6 % (60 Promille) mit einer Leichtigkeit, die selbst den besten Rallyewagen alt aussehen lässt.

Panoramablick aus dem Fenster des Centovalli-Zuges, der im Herbst einen Viadukt überquert
Hinter dem Glas: Der Blick aus dem Panoramafenster offenbart tiefe Schluchten und leuchtende Herbstfarben.

Stopps zum “Abschalten” (e gut essen)
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Mach nicht den Fehler, von Anfang bis Ende sitzen zu bleiben. Das Schöne an der Vigezzina ist die Möglichkeit, auszusteigen. Hier sind meine obligatorischen Stopps:

  1. Santa Maria Maggiore: Der höchste Punkt der Strecke (830 m). Halte an, um das Schornsteinfeger-Museum zu besuchen. Suche im Herbst nach Restaurants, die Gnocchi vigezzini mit Almbutter und Salbei servieren: Es ist das ultimative Wohlfühlessen nach einem Vormittag in den flammenden Wäldern.
  2. Re: Wenn der Zug langsamer wird und die imposante Wallfahrtskirche Madonna del Sangue erscheint, deren Kuppel die Gipfel dominiert, muss selbst ein Zyniker come ich den Atem anhalten. Es ist un einzigartiger visueller Kontrast zwischen dem heiligen Stein und den wilden Alpenkiefern.
  3. Intragna und Camedo: Hier fährst du in die Schweiz ein und die Landschaft wird noch vertikaler. In Intragna findest du den höchsten Glockenturm des Tessins. Wenn du Präzision liebst, wirst du den “Rhythmuswechsel” sofort bemerken, sobald du die Grenze bei Camedo passierst: Der Zug gleitet lautlos durch die Merlot-Weinberge des Tessins.

Die Öko-Logik der Schienen
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Im Jahr 2025 gehört der Schutz dieser fragilen alpinen Ökosysteme zur Pflicht eines jeden echten Reisenden. Wenn du den Zug durch das Vigezzo-Tal nimmst, entlastest du die engen, kurvigen Straßen, auf die die Einheimischen angewiesen sind. Es ist “Slow Travel” in seiner reinsten Form: keine Abgase im Gesicht der Berge und null Stress für deine Bremsbeläge.

Wenn du aus dem Süden kommst und diesen nördlichen Nervenkitzel mit etwas Küstenromantik mischen willst, Update: Meine Kollegin Sofia hat einen wunderbaren Guide über die Küstenorte Liguriens mit dem Zug geschrieben – der perfekte “entschleunigte” Gegenpol zu dieser rauen Bergüberquerung.

Marcos Praxistipps für die Centovalli
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  • Die Wahl des Zuges: Die neuen Stadler-Einheiten bieten erstklassigen Komfort, aber die alten Regionalzüge haben immer noch diesen Geruch von Öl und Eisen, den wir Fahrer so lieben.
  • Das Ticket: Der “Lago Maggiore Express” ist ein perfekter Kreis: mit dem Zug nach Locarno und mit dem Schiff zurück nach Stresa. Es ist der nachhaltigste Weg, alles an einem Tag zu sehen.
  • Logistik: Parke im Parkhaus (Multipiano) in Domodossola. Es ist sicher, günstig und erlaubt dir, das Auto für ein paar Stunden komplett zu vergessen.

Die Straße wird immer meine erste Liebe sein, aber auf diesem Stück Piemont gewinnt der Zug jedes einzelne Mal.

Gute Reise, Marco