Ciao a tutti, ich bin Luca.
Seit ich diesen Beitrag geschrieben habe, hat mein Kollege Marco eine aufregende Reise durch die abgelegene Landschaft der Lucanischen Dolomiten unternommen und darüber berichtet. Im Gegensatz zu den Touristen, die sich vor dem Trevi-Brunnen drängeln oder in Venedig einen teuren Spritz genießen, fand ich mich an einem anderen Ort wieder, wo der Wind durch die leeren Landschaften und abgelegenen Ziele pustet, wie ich kürzlich auf einer Reise erlebt habe, und das Knirschen von getrocknetem Lehm unter meinen Stiefeln war das einzige Geräusch, das ich hörte.
Ich bin gerade aus dem tiefen Süden zurückgekehrt — dem Rist des italienischen Stiefels. Die Basilikata. Es ist eine Region, die die meisten Menschen auf ihrem Weg nach Apulien komplett auslassen, aber für einen Typen wie mich ist es das Paradies. Es ist roh, es ist rau und es ist die Heimat einiger der eindringlichsten Geisterstädte Europas. Wenn Sie die „Disney-fizierte“ Version von Italien satt haben und den Puls eines Landes spüren wollen, das die Zeit vergessen hat, schnappen Sie sich die Schlüssel. Wie ich in meinem Guide über Tellaro schrieb, sind die besten Erfahrungen oft jene abseits der ausgetretenen Pfade. Wir fahren nach Craco und darüber hinaus.

Die geisterhafte Silhouette: Craco#
Man sieht sie lange bevor man sie erreicht. Wie eine gezackte Krone erhebt sich Craco aus den sanften, sonnenverbrannten Hügeln der Calanchi (einer bizarren Badlands-Landschaft). Craco ist die Königin der Geisterstädte, ein Reiseziel, das mich schon immer fasziniert hat, wie ich in meinem Guide über Bussana Vecchia, einem Geisterdorf, das wiedergeboren wurde, beschrieben habe. Die meisten Touristen finden diesen Ort nie, weil er ein Auto, etwas Mut und die Bereitschaft erfordert, Straßen zu befahren, die aussehen, als wären sie seit den 70ern nicht mehr asphaltiert worden.
Craco wurde nicht wegen einer Seuche oder eines Krieges verlassen. Es war die Erde selbst, die die Menschen verriet. Eine Serie von Erdrutschen, verursacht durch fehlerhafte Infrastruktur und den fragilen Lehmboden, zwang die Einwohner in den 1960er Jahren, ins Tal zu fliehen. Heute liegt der Ort wie eingefroren da.
Wenn man durch die Tore tritt (man muss eine geführte Tour über das MEC - Museo Emozionale von Craco buchen; aus Sicherheitsgründen darf man nicht mehr allein umherwandern), fühlt man sich wie auf einem Filmset. Tatsächlich war es das auch — Mel Gibson drehte hier Szenen für Die Passion Christi e der Bond-Film Ein Quantum Trost nutzte die Kulisse ebenfalls.
Aber vergessen Sie die Filme. Die wahre Magie liegt im Detail. Schauen Sie hinauf zum Palazzo Grossi mit seinen verblassten Fresken, die sich noch immer an den bröckelnden Putz klammern. Mein Geheimtipp ist, den Guide nach dem „Normannenturm“ zu fragen. Wenn Sie Glück haben und das Wetter klar ist, reicht der Blick von dort oben bis zum Golf von Tarent. Es ist ein Ausblick, der einem bewusst macht, wie isoliert diese Gemeinschaft wirklich war.
Jenseits der Legende: Die „Utopie“ von Campomaggiore Vecchio#
Wenn Craco die Königin ist, dann ist Campomaggiore Vecchio die Dichterin. Etwa eine Autostunde nordwestlich von Craco gelegen, eingebettet in das üppige Grün der Lukanischen Dolomiten, ist dies ein Ort, den selbst viele Italiener nicht kennen.
Im späten 18. Jahrhundert beschloss Graf Teodoro Rendina, eine „Utopie“ zu bauen. Er lud Familien ein, dort zu leben, gab ihnen Land und Holz für den Hausbau, alles angeordnet in einem perfekten Schachbrettmuster. Es sollte ein Modell für soziale Harmonie und Fortschritt sein. Doch 1885 schlug ein gewaltiger Erdrutsch zu. Die „Stadt der Utopie“ wurde in einer einzigen Nacht zum Schweigen gebracht.
Beim Spaziergang durch die Ruinen der Chiesa von Maria Santissima del Carmelo kann man noch die skelettartigen Überreste des Altars sehen. Es ist unheimlich, aber seltsam friedlich. Im Gegensatz zur harten, lehmgebackenen Atmosphäre von Craco wird Campomaggiore Vecchio vom Wald zurückerobert. Ranken schlängeln sich durch Fensterrahmen und Wildblumen blühen in den einst prachtvollen Salons. Wenn Sie etwas Besonderes wollen, besuchen Sie den Ort in den Sommermonaten, wenn gelegentlich „La Città dell’Utopia“ stattfindet, eine Multimedia-Licht- e Tonshow, die die Geschichte der Stadt auf die Ruinen projiziert.
Alianello: Das Dorf, das nicht verschwinden will#
Tief im Herzen des Agri-Tals liegt Alianello. Dieser Ort ist noch weiter abseits der Pfade. Während Craco ein Museum und Campomaggiore ein Park ist, fühlt es sich in Alianello so an, als wären die Leute gerade erst auf einen Kaffee rausgegangen und nie zurückgekommen.
Das Dorf wurde beim Irpinia-Erdbeben 1980 beschädigt. Wenn man die Hauptstraße — Via Roma — entlanggeht, sieht man Häuser, deren Türen noch immer in den Angeln hängen. Ein Blick durch ein staubiges Fenster zeigt vielleicht einen Holzstuhl oder einen Kalender von 1979, der noch an der Wand pinnt. Es ist ein Schlag in die Magengrube, eine Erinnerung daran, wie schnell sich das Leben ändern kann.
Alianello liegt in der Nähe von Aliano, der Stadt, in die der Schriftsteller Carlo Levi von den Faschisten verbannt wurde (lesen Sie Christus kam nur bis Eboli, bevor Sie hierher kommen — es ist die inoffizielle Bibel der Basilikata). Die meisten Leute halten in Aliano an, um die Literaturparks zu sehen, aber die wahre Seele liegt in der Stille von Alianello.
Praktische Tipps für moderne Entdecker#
Die Basilikata gibt ihre Geheimnisse nicht leichtfertig preis. Man muss für sie arbeiten.
Erreichbarkeit#
Vergessen Sie Züge. Sie brauchen ein Auto. Mieten Sie eines in Bari oder Matera. Die Fahrt von Matera nach Craco dauert über die SS103 etwa eine Stunde. Seien Sie gewarnt: Die Straßen in den Calanchi sind kurvenreich und können anfällig für Absenkungen sein. Fahren Sie langsam und behalten Sie die Straße im Auge, egal wie verlockend die Aussicht ist.
Buchung Ihres Besuchs#
Für Craco müssen Sie im Voraus buchen. Besuchen Sie die offizielle Website der Gemeinde Craco oder suchen Sie nach dem MEC. Sie erhalten einen Schutzhelm und einen Guide. Ohne die „Craco Card“ kommen Sie nicht am Tor vorbei.
Beste Reisezeit#
Die beste Zeit ist der späte Frühling (Mai/Juni) o der frühe Herbst (September/Oktober). Im Hochsommer werden die Calanchi zum Backofen. Wenn Sie im Oktober fahren, trifft das Licht in einem flachen Winkel auf die Lehmhügel und verwandelt die gesamte Landschaft in ein Meer aus Gold und Schatten. Es ist der Traum eines jeden Fotografen.
Wo man essen kann: Authentische Aromen#
Sie werden hier keine Michelin-Sterne finden, e Gott sei Dank ist das so. Sie werden etwas Besseres finden: Cucina Povera (die Küche der Armen), die Ihr Leben verändern wird.
- L’Incontro (Pisticci): Pisticci ist eine wunderschöne, weiß getünchte Stadt in der Nähe von Craco. Halten Sie hier zum Mittagessen. Bestellen Sie Frizzuli (handgerollte Pasta) mit Krümeln von frittierten Cruschi-Paprika. Diese sonnengetrockneten Paprika sind das „rote Gold“ der Basilikata.
- Agriturismo Il Casale dei Cedri: In der Nähe der Hügel gelegen; hier gibt es echtes lukanisches Lamm und lokale Käsesorten wie den Pecorino di Filiano.
- Mein Geheimtipp ist, eine lokale Bäckerei in der Stadt Tursi zu finden und nach Cuccìa zu fragen, einem traditionellen Gericht aus gekochtem Weizen, Kichererbsen und Ackerbohnen. Es ist der Geschmack der Erde selbst.
Die Basilikata wartet auf Sie. Verraten Sie es nur nicht jedem, okay? Lassen Sie uns dieses Geheimnis noch ein wenig länger unter uns behalten.
Bleiben Sie neugierig, bleiben Sie rebellisch.
— Luca
