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Die aus Stein gehauene Stadt: Warum Pitigliano das bestgehütete Geheimnis der Toskana ist

·673 Wörter·4 min

Ciao a tutti, ich bin Luca. Während die Massen in Florenz — einer Stadt, die übrigens ein gewisses Geschick beim Parken erfordert — um einen Blick auf den David kämpfen oder in Siena um einen Tisch streiten, zieht es mich weiter in den Süden, in das raue Herz der Maremma. Diese Gegend hat mich dazu gebracht, wahre Schätze zu entdecken, genau wie das wilde Herz des Mittelmeers.

Ich verrate euch ein Geheimnis: Die „wahre“ Toskana findet man nicht in einem Reiseprospekt. Man findet sie an einem Ort, der aussieht, als hätten ihn Giganten aus dem Stein gemeißelt und die Zeit ihn dann vergessen. Ich spreche von Pitigliano – einer Stadt, die die Essenz von Italiens verborgenen Juwelen verkörpert, so wie ich es auf meiner Reise durch die Geisterstädte Italiens erlebt habe. Seitdem ich diesen Beitrag veröffentlicht habe, hat mein Kollege Marco einen fantastischen Leitfaden für einen aufregenden Roadtrip durch die lukanischen Dolomiten geschrieben, der euch zu Abenteuern abseits der Pfade einlädt.

Pitigliano Tuffsteinstadt Toskana
Pitigliano: Das ’leine Jerusalem’ der Toskana, direkt in den Vulkangestein gehauen.

Die Festung aus Tuffstein
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Das erste Mal, wenn man Pitigliano sieht, verschlägt es einem den Atem. Das ist keine Übertreibung. Wenn man sich um die Kurven der SR74 schlängelt, teilen sich plötzlich die Bäume und da ist sie — eine Stadt, die direkt aus einer massiven vulkanischen Tuffsteinklippe zu entspringen scheint. Die Häuser sind aus demselben Stein gebaut, auf dem sie thronen, sodass man kaum sagen kann, wo die Natur aufhört und die Stadt beginnt. Dieses Zusammenspiel erinnert mich an dramatische Orte wie die Festung, die ich in der Vergangenheit besucht habe.

Die meisten Touristen finden diesen Ort nie, weil sie glauben, die Toskana ende im Val d’Orcia. Ihr Pech, unser Glück. Pitigliano ist stolz, geheimnisvoll und absolut magnetisch, ganz wie das Dorf der Bäche, über das ich kürzlich in einem weiteren Artikel geschrieben habe, den ich nach Veröffentlichung dieses Beitrags verfasst habe.

Mein Geheimtipp: Die Vie Cave (Etruskische Hohlwege)
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Wenn ihr euch wie Entdecker und nicht wie Touristen fühlen wollt, müsst ihr die Stadttore hinter euch lassen und in die antiken Pfade eintauchen, die die Etrusker tief in den Fels geschlagen haben. Mein Kollege Alessandro beschreibt sie als beeindruckendes Zeugnis der Ingenieurskunst vor über 2.500 Jahren.

Wir sprechen hier von gewaltigen Korridoren mit bis zu 20 Meter hohen Wänden, bewachsen mit Moos und Farnen. Es fühlt sich an wie in einem Fantasy-Roman.

  • Der versteckte Pfad: Sucht nach der Via Cava di San Giuseppe. Es ist eine magische Wanderung durch das Innere der Erde.
  • Lucas Insider-Rat: Geht zur „Goldenen Stunde“. Wie das Licht durch das Blätterdach filtert und den gelben Stein trifft, ist pures Gold. Hier gibt es keine Reisebusse – nur das Geräusch eurer Schritte und das Wispern der Geschichte.

„Kleines Jerusalem“ und authentische Aromen
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Pitigliano ist als La Piccola Gerusalemme bekannt, da hier im 16. Jahrhundert eine bedeutende jüdische Gemeinde Zuflucht fand.

Wenn ihr mal etwas anderes als die klassischen Nudelgerichte wollt, spaziert in das alte jüdische Ghetto. Ihr könnt die alte Synagoge besuchen, aber mein Geheimtipp ist: Sucht eine lokale Bäckerei und fragt nach einem Sfratto. Es ist ein stabförmiges Gebäck, gefüllt mit Honig, Walnüssen und Orangenschalen. Sein Name bedeutet „Räumung“ und hat eine rebellische Geschichte, die ich liebe: Er wurde dem Stock nachempfunden, mit dem Behörden früher an die Türen klopften. Die Einheimischen machten daraus ein Symbol der Süße und Resilienz.

Pitigliano wie ein Einheimischer erleben
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  • Trinkt den Vulkan: Bestellt ein Glas Bianco von Pitigliano. Die Reben wachsen auf vulkanischem Boden, was dem Wein eine mineralische Note verleiht, die man in einem Chianti vergeblich sucht.
  • Die beste Aussicht: Für das ultimative Panorama (ohne Menschenmassen) fahrt zum Santuario della Madonna delle Grazie. Es liegt knapp außerhalb und bietet den dramatischsten Blick auf die Skyline.
  • Bleibt bis spät: Wenn die Tagestouristen weg sind, verwandelt sich die Stadt in ein Labyrinth aus Schatten und goldenen Laternen. Dann zeigt sich die wahre Seele des Ortes.

Vergesst die Postkarten, die ihr schon tausendmal gesehen habt. Pitigliano ist für jene, die Italiens ungezähmte Seite sehen wollen.

A presto, Luca