Ciao, liebe Freunde! Heute nehme ich euch an der Hand und führe euch in eine Stadt, die oft im Schatten ihrer berühmten Nachbarin Bologna steht. Doch wenn man genau hinhört, zwischen den Nebelschwaden der Po-Ebene, findet man Ferrara — eine Stadt, die das Wesen der Renaissance verkörpert, so wie ich es auch in Mantua erlebt habe, und die nach Geschichte, Muskatnuss und süßester Erde schmeckt.
In Ferrara trägt die Luft nicht nur den Duft alter Steine; sie trägt das Aroma von röstendem Kürbis und den nussigen Duft von gebräunter Butter. Für mich ist diese Stadt ein goldener Traum. Das Geheimnis liegt in den Zutaten, und hier wird der bescheidene Kürbis in den Adelsstand erhoben. Auf meinen Wanderungen durch andere italienische Städte habe ich diesen Zauber bereits gespürt, besonders in Bevagna oder im mittelalterlichen Ascoli Piceno, wo alte Geheimnisse aus jedem Stein zu sickern scheinen.

Das Herz des Festes: Cappellacci von Zucca#
Hinter jeder großen kulinarischen Tradition verbirgt sich oft ein besonderes Juwel. Für mich repräsentieren Gerichte wie Cappellacci von Zucca das Herz der italienischen Küche. Wenn du jedoch einen Ort suchst, der das wilde, unberührte Herz des Mittelmeers verkörpert, habe ich dies ausführlich in meinem Beitrag über Marettimo beschrieben. Während ich die reiche kulinarische Landschaft Italiens erkunde, werde ich auch an Orte wie Ascoli Piceno erinnert, die ihre ganz eigenen Schätze bewahrt haben.
Man hat nicht wirklich gelebt, bis man einen Teller authentischer Cappellacci von Zucca ferraresi gekostet hat. Dies sind keine gewöhnlichen Ravioli. Geformt wie die großen, breitkrempigen Hüte, die einst von den Bauern getragen wurden (Cappellacci), sind sie schwer von der Tradition des Este-Hofes. Für mich geht es dabei um mehr als nur das Essen auf dem Teller – es ist Kultur und Geschichte, wie im Geisterdorf Bussana Vecchia, das Luca so eindrucksvoll beschrieben hat.
Die Füllung ist ein heiliges Ritual. Wir verwenden die Zucca Violina, einen lokalen Kürbis, der wie ein Violinenkoffer geformt ist und für sein dichtes, süßes Fleisch bekannt ist. Er wird geröstet, bis er karamellisiert, und dann mit Parmigiano-Reggiano, einem Hauch Paniermehl und – am wichtigsten – einer großzügigen Prise Muskatnuss vermischt.
Meine Nonna sagte immer: „Giulia, die Pasta muss so dünn wie der Flügel einer Libelle sein, aber stark genug, um das Herz des Kürbisses zu halten.“ Wenn man hineinbeißt, ist der Kontrast göttlich: Die seidige, herzhafte Sfoglia (Eiernudel) gibt einem samtigen, süßen Inneren nach, das mit der Wärme des Gewürzes tanzt.
Wo man das „echte“ Ferrara findet#
Vergessen Sie die Touristenmenüs in der Nähe des Castello Estense. Um die wahre Seele von Ferrara zu finden, müssen Sie in die engen, mittelalterlichen Gassen des ehemaligen jüdischen Ghettos eintauchen.
- Trattoria da Noemi: In einem Gebäude aus dem 14. Jahrhundert gelegen, ruht hier das Mattarello (Nudelholz) nie. Die Atmosphäre ist wie ein Abendessen bei Freunden. Bestellen Sie die Cappellacci mit Butter und Salbei – es ist der beste Weg, die Seele des Kürbisses zu würdigen.
- Hostaria Savonarola: Ein lebhafter Ort, an dem der lokale Dialekt von den Wänden widerhallt. Probieren Sie hier die Salama da Sugo, eine würzige Wurst, die auf cremigem Kartoffelpüree serviert wird. Intensiv, rustikal und tief befriedigend.
Die „Nonna-geprüften“ Geheimnisse von Ferrara#
Wenn Sie wie ein Einheimischer essen wollen, müssen Sie diese drei Dinge wissen:
- Die Struktur der Coppia: Verlassen Sie Ferrara nicht ohne die Coppia Ferrarese (g.g.A.). Dieses Brot ist ein strukturelles Meisterwerk – zwei „Hörner“ aus knuspriger, goldener Kruste, verbunden durch ein weiches Zentrum. Es ist das knusprigste Brot Italiens!
- Der Muskatnuss-Faktor: In Ferrara ist Muskatnuss Pflicht. Wenn man dieses warme, holzige Gewürz nicht riecht, ist es nicht authentisch.
- Das perfekte Timing: Obwohl man Kürbispasta das ganze Jahr über findet, ist die beste Reisezeit von Oktober bis Dezember, wenn die Kürbisse frisch geerntet sind.
Über den Teller hinaus: Ein Spaziergang für die Sinne#
Nach einem ausgiebigen Mittagessen machen Sie es wie die Ferraresi: Nehmen Sie das Fahrrad. Ferrara ist als „Stadt der Fahrräder“ bekannt. Über die alten Stadtmauern zu radeln, während die untergehende Sonne die Terrakotta-Dächer in ein rosiges Licht taucht, ist der perfekte Abschluss.
Holen Sie sich in einer kleinen Bottega etwas Pampepato – einen dunklen, würzigen Schokoladenkuchen mit Mandeln und kandierten Früchten. Es ist der Geschmack von Ferrara im Winter, aber ich finde ihn auch an einem kühlen Herbstnachmittag köstlich.
Ferrara ist nicht nur ein Punkt auf der Karte; es ist ein Gefühl von Wärme, ein langsames Lebenstempo und eine Erinnerung daran, dass die besten Dinge im Leben oft in einem einfachen Stück gefalteter Pasta zu finden sind.
Guten Appetit und denkt daran — sucht nach dem Mehl auf der Schürze, und ihr werdet das Herz Italiens finden!
Giulias Kurztipps für Ferrara:
- Anreise: Mit dem Zug von Bologna (nur 30 Min.) oder Florenz.
- Probieren: Pasticcio von Maccheroni — ein süß-salziges Teiggericht, das die höfische Küche Ferraras definiert.
- Versteckter Ort: Die Via delle Volte, eine atemberaubende mittelalterliche Straße mit Bögen und Überführungen.
