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Das Dorf, das der Zeit trotzte: Warum Calcata Vecchia Italiens geheimnisvollster Geheimtipp ist

·735 Wörter·4 min

Ciao a tutti, ich bin Luca. Während die Massen um einen Selfie-Platz am Trevi-Brunnen kämpfen oder stundenlang am Vatikan anstehen, ziehe ich meist in die entgegengesetzte Richtung. Nur eine Stunde nördlich von Rom ändert sich die Landschaft. Der Beton weicht wildem, üppigem Grün, e plötzlich sieht man es — ein Dorf, das scheinbar auf einem massiven Thron aus rotem Vulkangestein flotiert, ein Anblick, der mich immer wieder staunen lässt.

Willkommen in Calcata Vecchia, einem Ort, der mich an ein anderes faszinierendes italienisches Dorf erinnert, das ich erkunden durfte: das rebellische Bussana Vecchia.

Die meisten Touristen finden diesen Ort nie, e ehrlich gesagt ist das genau der Grund, warum ich ihn liebe. Es ist ein Ort, an dem die Zeit nicht nur langsamer läuft; sie ist völlig stehen geblieben, hat gegen die Regierung rebelliert und beschlossen, nach eigenen Regeln zu leben.

Calcata Vecchia Latium Italien
Das mysteriöse Vulkandorf Calcata Vecchia, hoch über dem Abgrund thronend, erinnert an andere verzauberte Orte wie Rasiglia.

Das Dorf, das sich weigerte zu sterben
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Die Geschichte von Calcata ist so rebellisch wie meine eigene Reisephilosophie. In den 1930er Jahren verurteilte die italienische Regierung das Dorf tatsächlich. Sie befürchteten, dass der vulkanische Tuff (der Fels, auf dem es gebaut ist) bröckelt und dass die ganze Stadt in das Tal gleiten würde. Die Einheimischen wurden gezwungen zu gehen und in eine nahegelegene „neue“ Stadt umzusiedeln.

Aber Calcata war nicht am Ende. In den 1960er und 70er Jahren entdeckten Künstler, Hippies und Freigeister aus der ganzen Welt diese „Geisterstadt“. Sie besetzten die verlassenen Steinhäuser, restaurierten sie und brachten das Leben zurück in das Dorf. Heute ist es eine der authentischsten Künstlerkolonien Europas.

Warum Calcata Vecchia anders ist
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Wenn man über die schmale Fußgängerbrücke in das Dorf geht, fühlt es sich an, als würde man ein Portal durchschreiten. Hier gibt es keine Autos. Keine Neonschilder. Keine Ladenketten. Nur ein Labyrinth aus schmalen, gewundenen Gassen, wild wuchernden Ranken und Türen, die direkt in den Fels gemeißelt wurden.

  • Die Atmosphäre: Es ist neblig, stimmungsvoll und tief geheimnisvoll. Sie werden den leisen Klang einer Flöte aus einer Werkstatt hören oder den Geruch von Holzrauch und Weihrauch wahrnehmen.
  • Die Aussicht: Jede Gasse scheint an einer dramatischen Klippenkante zu enden. Wenn man über das Treja-Tal blickt, sieht man nichts als ungezähmte Natur. Es ist roh, es ist grün und es fühlt sich an wie das Italien von vor fünf Jahrhunderten.
  • Die Menschen: Die Bewohner hier sind echt. Sie finden Bildhauer von Weltrang, Maler und Hexen (ja, wirklich), die lieber mit Ihnen über die Energie der Erde sprechen, als Ihnen einen billigen Souvenir zu verkaufen.

Mein Geheimtipp: Das Grotten-Erlebnis
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Mein Geheimtipp ist, nach den „Laboratori“ (Werkstätten) zu suchen, die in Höhlen gebaut sind. Viele der Häuser in Calcata haben Keller und Ateliers, die eigentlich antike etruskische Gräber oder Lagerkeller sind, die tief in das Vulkangestein gegraben wurden.

Wenn Sie eine offene Tür mit einem Perlenvorhang sehen, werfen Sie einen Blick hinein. Meistens freut sich ein Künstler, Ihnen seine Arbeit und die alten Steinwände seines „Büros“ zu zeigen. Es ist die Art von intimer Verbindung, die man in großen Städten einfach nicht bekommt.

Wenn Sie mal etwas ganz anderes wollen…
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Vergessen Sie die Standard-Touristenrestaurants. Wenn Sie mal etwas anderes wollen, gehen Sie in eines der winzigen Teehäuser — Calcata ist seltsamerweise berühmt für sie. Es gibt eines, das über 100 Teesorten und eine Terrasse direkt über dem Abgrund hat. Dort mit einem Tee zu sitzen und zuzusehen, wie der Nebel durch das Tal rollt, ist eine spirituelle Erfahrung.

Praktische Tipps für Abenteurer
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  • Anreise: Sie brauchen ein Auto oder einen Cotral-Bus von Rom (Station Saxa Rubra). Die Fahrt durch den Parco Valle del Treja ist bereits das halbe Vergnügen.
  • Reisezeit: Gehen Sie möglichst an einem Wochentag. Am Sonntag tauchen einige eingeweihte Römer auf, aber an einem Dienstagmorgen haben Sie den Nebel und die Geheimnisse ganz für sich allein.
  • Richtiges Schuhwerk: Die Steine sind uneben, rutschig und alt. Lassen Sie die schicken Sandalen in Rom; dies ist ein Ort zum Erkunden.
  • Trekking: Verpassen Sie nicht die Wanderung ins Tal zu den Cascate von Monte Gelato. Die meisten Leute sehen nur das Dorf, aber die Wasserfälle im Wald darunter sind Orte, an denen die wahre „unentdeckte“ Magie passiert.

Calcata Vecchia ist nicht jedermanns Sache. Es ist für die Träumer, die Rebellen und jene, die das Italien sehen wollen, das sich weigert, gezähmt zu werden.

Bis zum nächsten Mal — wandern Sie weiter.

— Luca