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Chiusa di Pesio und das Pesio-Tal: Wanderungen in den Ligurischen Alpen

·7 min·Martina

Wer im Piemont ins Valle Pesio zum Wandern aufbricht, betritt eine alpine Landschaft, die sich ihren eigenständigen und rauen Charakter bewahrt hat. Das Tal liegt in der Provinz Cuneo in den Ligurischen Alpen und bildet das Herzstück des Parco naturale del Marguareis. Dichte Bergwälder, steil aufragende Felsflanken und ein Netz aus Pfaden prägen dieses Schutzgebiet, das auf dem Gebiet der Gemeinde Chiusa di Pesio liegt. Beim Gehen spürt man schnell, wie die Steige Konzentration, Trittsicherheit und eine verlässliche Grundkondition verlangen.

Für Reisende aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, die über die Alpenpässe oder Autobahnen nach Norditalien fahren, eröffnet das Tal eine ruhige Bergwelt. Sobald du die ersten Schritte auf die Pfade setzt, schlagen dir kühle Bergluft und der herbe Duft feuchter Waldböden entgegen. Hier oben bestimmt der Rhythmus der Natur das Tempo, fernab von überlaufenen Hotspots. Wer gerne mit Rucksack und Bergschuhen in unberührter Umgebung unterwegs ist, findet hier ideale Voraussetzungen für ausgedehnte Tagestouren.

Wasserfall Pis del Pesio
Das Tosen und die Kraft des Wasserfalls Pis del Pesio während der Schneeschmelze im Frühling.

Wie du ankommst und wo du startest
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Als erster Orientierungspunkt vor Ort dient die Gemeinde Chiusa di Pesio. Vom Ort aus führt die Straße stetig ansteigend tiefer hinein in das Tal. Die Route zieht sich durch waldreiches Terrain, während die Hänge zu beiden Seiten allmählich steiler aufragen und den Weg einrahmen. Nach einer Fahrt durch das Tal erreichst du die Certosa di Santa Maria in Valle Pesio, die man im Allgemeinen kurz als Certosa di Pesio bezeichnet. Dieser weitläufige religiöse Gebäudekomplex liegt auf einer Höhe von 859 Metern und befindet sich rund 10 Kilometer vom Zentrum von Chiusa di Pesio entfernt.

Die Kartause bildet eine markante Station auf dem Weg in das Schutzgebiet. Wer hier kurz anhält, blickt auf ehrwürdige Mauern, die sich in die alpine Kulisse einfügen. Hinter der Anlage setzt sich die Straße bergauf fort und führt dich direkt zum Rifugio Pian delle Gorre. Diese Berghütte dient als wichtigster Ausgangspunkt für Wanderungen und Bergtouren im gesamten Naturpark. Vor Ort gibt es einen großen Parkplatz, auf dem man das Auto bequem abstellen kann, bevor man die Ausrüstung anlegt und die Schnürsenkel strafft. An diesem Punkt laufen die verschiedenen Pfade des Tals zusammen: von Runden entlang der Bäche bis hin zu Steigen in die höheren Lagen der Ligurischen Alpen.

Der Rundweg zu den Wasserfällen ab Pian delle Gorre
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Direkt am Rifugio Pian delle Gorre startet der Rundweg zu den Wasserfällen, der hinauf zum Pis del Pesio führt. Auf dieser Schleife legst du eine Distanz von circa 8 km zurück und überwindest rund 400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Als reine Gehzeit solltest du etwa 3 Stunden veranschlagen, wobei sich das tatsächliche Zeitmaß nach deiner Schrittfrequenz und den Pausen richtet.

Die Runde gilt als gut machbar, verlangt aber aufmerksames Gehen und ein Mindestmaß an Trittsicherheit. Die Strecke hält ein paar anstrengende, steilere Anstiege bereit, bei denen man schnell merkt, wie die Höhenmeter in die Waden gehen. Eine solide Grundkondition ist daher angeraten, um die Anstiege gleichmäßig und ohne Atemnot zu bewältigen. Wer zügig und sicher auf den Beinen steht, findet hier eine abwechslungsreiche Route vor, die durch schattige Waldpassagen führt und stetig an Höhe gewinnt.

In diese Rundtour sind auch die Cascate del Saut eingebunden. Diese Wasserfälle gelten als die leichter erreichbaren Verwandten des Pis del Pesio. Sie sind spürbar einfacher zugänglich und entsprechend stärker von Spaziergängern und Wanderern frequentiert. Wer es kürzer halten möchte oder mit kleineren Schritten unterwegs ist, wählt häufig diesen Abschnitt als eigenständiges Ziel. Wenn du dich dagegen für die gesamte Schleife entscheidest, setzt du deinen Weg fort, folgst den Kehren des Bergpfads und erreichst schließlich die höheren Lagen oberhalb des Talgrunds.

Der Pis del Pesio als Karstquelle
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Die geologische Besonderheit dieser Route liegt an der Stelle, an der das Wasser aus dem Felsen bricht: dem Pis del Pesio. Hierbei handelt es sich um eine Karstquelle, im Italienischen als risorgenza carsica bezeichnet. Das Wasser tritt direkt aus dem nackten Gestein hervor und stürzt in die Tiefe. Vor allem in den Phasen der Schneeschmelze und bei Hochwasser bildet sich hier eine spektakuläre Kaskade, die mit enormer Wucht ins Tal tost.

Außerhalb der Schneeschmelze bietet sich Besuchern jedoch oft ein völlig anderes Bild. Wenn das Schmelzwasser fehlt und längere Trockenheit herrscht, kann die Kaskade komplett versiegen. Das unterirdische Wasser reicht dann nicht mehr aus, um den oberen Auslass im Fels zu speisen. Wer im Hochsommer oder Herbst ohne vorherige Information heraufwandert, steht nicht selten vor einer trockenen, stummen Felswand, an der kaum ein Tropfen zu sehen ist.

Tip

Der Pis del Pesio ist eine Karstquelle: Außerhalb der Schneeschmelze oder nach Trockenperioden kann der Wasserfall zu einem dünnen Rinnsal verkümmern oder ganz trocken sein. Wer die Kaskade in voller Kraft erleben möchte, wählt das Frühjahr zur Zeit des Schmelzwassers oder Tage nach anhaltenden Regenfällen. Zudem fordern die nassen Steige und steilen Passagen feste Bergstiefel; leichte Halbschuhe oder Turnschuhe haben hier nichts verloren.

Weiterführende Wege und der Naturlehrpfad ab der Certosa
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Das Rifugio Pian delle Gorre ist nicht nur der Ausgangspunkt für die Wasserfallrunde, sondern bildet zugleich das Tor zu anspruchsvollerem alpinem Gelände. Von der Hütte aus ziehen markierte Wege weiter hinauf in Richtung des Rifugio Garelli und erschließen das Massiv des Marguareis. Diese Touren führen in felsige Höhenstufen, in denen das Gelände rauer und steiler wird. Sie richten sich an Bergwanderer mit Bergerfahrung, die längere Aufstiege und anspruchsvollere Pfade suchen.

Wer es dagegen sanfter angehen lassen möchte oder das Fahrzeug schon weiter unten abstellt, findet direkt an der Certosa di Pesio eine Alternative. Dort beginnt ein leicht begehbarer, ausgeschilderter Naturlehrpfad, der als percorso naturalistico attrezzato ausgewiesen und mit Informationstafeln versehen ist. Dieser Weg stellt eine verkehrsfreie Alternative zur asphaltierten Fahrstraße dar. Er führt durch das Vallone di San Bruno, verläuft zunächst entlang der alten Klostermauer der Kartause und zieht sich anschließend gemächlich hinauf bis zum Rifugio Pian delle Gorre. Auf dieser Strecke lässt sich der Naturpark entspannt erkunden, während die Tafeln am Wegesrand die Eigenheiten des Tals erläutern.

Technische Daten, Ausrüstung und ein lehrreicher Fehltritt
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Für eine saubere Vorbereitung der Rundtour zum Pis del Pesio und zu den Cascate del Saut findest du hier die zentralen Rahmendaten im Überblick:

  • Streckenlänge: ca. 8 km
  • Höhenunterschied: ca. 400 m
  • Gehzeit: ca. 3 Stunden
  • Charakter: mittelschwere Bergwanderung mit einigen steilen Abschnitten
  • Beste Zeit: Frühjahr während der Schneeschmelze sowie Tage nach ergiebigem Regen

Zur Ausrüstung gehören knöchelhohe Bergstiefel mit tiefem Profil, da Steine und Erdpassagen oft rutschig sind. Feste Stiefel entscheiden über den Tag. Wanderstöcke erweisen sich in den steileren Passagen als nützlich, um das Gleichgewicht zu halten und die Gelenke beim Abstieg zu schonen. Ausreichend Trinkwasser, eine winddichte Jacke und funktionale Kleidung gehören fest ins Gepäck, da das Wetter im Gebirge rasch wechseln kann.

Dass Theorie und Praxis zwei verschiedene Dinge sind, erfuhr ich bei einer früheren Tour zum Pis del Pesio. Ich war im Hochsommer angereist, fest überzeugt, den Wasserfall tosend anzutreffen, hatte mich aber nicht über das Phänomen einer Karstquelle informiert. Nach schweißtreibendem Aufstieg stand ich vor trockenem Gestein. Zu allem Überfluss trug ich leichte, abgelaufene Halbschuhe. Auf einer feuchten Wurzel im steilen Abstieg rutschte ich weg und landete unsanft im Schlamm. Die Hose war zerrissen, das Knie aufgeschürft. Seit diesem Tag prüfe ich die Jahreszeit und ziehe ausnahmslos feste Bergstiefel an.

Anreise mit dem Auto und Routen im Piemont
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Die Anreise mit dem Auto erfolgt am einfachsten über Cuneo. Von dort aus erreichst du die Gemeinde Chiusa di Pesio nach einer Fahrtstrecke von circa 15 km, was etwa 20 Minuten in Anspruch nimmt. Im Ort folgst du der Beschilderung taleinwärts, passierst nach rund 10 Kilometern die Certosa di Pesio auf 859 Metern Höhe und fährst auf der schmaler werdenden Straße weiter hinauf bis zum Rifugio Pian delle Gorre. Dort endet die befahrbare Straße auf dem großen Wanderparkplatz.

Wer den Aufenthalt in den Ligurischen Alpen mit weiteren Ausflügen in der Region verbinden möchte, findet im Piemont reizvolle Kontraste. Nach den Touren im Naturpark bieten sich Abstecher in die Hügellandschaften an. Wie sich solche Etappen planen lassen, zeigt unser Überblick über die Weinstraßen der Langhe. Wer sich für traditionelle Handwerkskunst und die Suche nach den edlen Knollen interessiert, findet nützliche Hinweise in unserem Beitrag über die Trüffelsuche in den Langhe.